Das Kieler Gängeviertel

Das Kieler "Gängeviertel" lag im Gebiet wo heute die Ostseehalle steht. In diesem StadtTeil wohnten zahlreiche aus Osteuropa zugewanderte Juden. Ab 1939 wurde die jüdische Bevölkerung Kiels dort ghettoisiert und später deportiert. An die deportierten jüdischen Familien aus dem Gängeviertel erinnert seit 9. September 2005 ein Gedenkstein an der Ecke KleinerKuhberg / WaisenhofStraße. Der Gedenkstein besteht aus einer Granitstele mit eingelassener Metallplatte. Darauf ist unter anderem ein historischer Stadtplanausschnitt des Gängeviertels zu sehen. In der Inschrift wird an die Enteignung, Deportation und Ermordung von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus Kiel gedacht. Die Stele steht direkt neben einem rotblättrigen Ahornbaum, der zur Erinnerung an ehemalige jüdische Kielerinnen und Kieler gepflanzt worden ist. Das Gängeviertel zwischen KleinerKuhberg und GroßerKuhberg, dem heutigen ZiegelTeich, bestand aus einem Gewirr von verwinkelten Gassen und war dicht mit kleinen Häusern , Ställen, Schuppen und Nebengebäuden bebaut. Es sollte schon seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert saniert werden und galt von jeher als Arme-Leute-Gegend. Die Mieter waren zumeist Arbeiter, Handwerksgesellen, Kleinhändler, Reinmachefrauen oder Dienstmädchen. Sie waren teils christlicher, teils jüdischer Konfession, wobei ursprünglich keine deutschen Juden im Gängeviertel wohnten, sondern ausnahmslos osteuropäische, darunter viele Galizier. Einer von diesen war Alter Weber, der mit Altprodukten handelte und die Häuser Kleiner Kuhberg 25 und das dazugehörige Hinterhaus Feuergang 2 besaß.

Der Pogrom vom 9./10. November 1938 beendete jede Normalität für die Juden in Deutschland. Einige konnten sich durch Auswanderung in sichere Aufnahmeländer retten. Die Stadt Kiel eignete sich in der Folge auf scheinlegale Weise Grundbesitz im Gängeviertel an und richtete in den beiden Häusern von Alter Weber zwei so genannte Judenhäuser ein. Hier wurden nach und nach immer mehr deutsche Juden zwangsweise eingewiesen, denen man ihre Wohnungen in anderen Stadtteilen gekündigt hatte. Von hier aus gingen später die Deportationen über eine Sammelstelle im Rathaus in Lager im Osten; nur wenige überlebten den Holocaust. Eine von 1960 angelegte und kaum vollständige Liste der in Kiel vor dem Zweiten Weltkrieg ansässigen Juden weist 30 Namen von ehemaligen Bewohnern des Gängeviertels aus.

Das Gebiet wurde 1944/45 durch Bomben zerstört und 1951 abgerissen.

Quelle: Kiels Gängeviertel und das 3. Reich


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